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Mittwoch, 22 Februar 2017 06:42

Liegenschaftsverwaltungen kassieren dreist ab

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Wohnungssuchende, die eine Zusage bekommen, doch den Mietvertrag ablehnen, werden vielerorts zur Kasse gebeten. Bis zu 200 Fr verlangen Vermieter für das Nichtunterschreiben eines Mietvertrags. Der Mieterverband betont die Unzulässigkeit dieser Vorgehensweise und weist auf ein entsprechendes Gerichtsurteil hin.

Jeder Schweizer weiss, wie schwer sich eine Wohnung in Zürich finden lässt. Bei einer Besichtigung stehen die Leute oftmals bis auf die Strasse schlange, nur um einen kurzen Blick in die das Mietobjekt werfen zu können und wenigstens eine kleine Chance auf die Wohnung zu erhalten. Die Nachfrage nach Wohnungen übersteigt das Angebot in Zürich bei weitem. Besonders wer es bei der Wohnungssuche eilig hat, gerät unter Stress und wird von Ängsten geplant.

Petra R. sucht bereits seit sechs Wochen nach einer neuen Wohnung. Pro Woche besichtigt sie dazu im Schnitt vier Wohnungen. Einmal waren es sogar sechs. Manche Wohnungen gefallen ihr sehr gut. Andere besichtigt sie nur, weil sie unter Druck steht. In zwei Monaten läuft ihr alter Mietvertrag aus und bis dahin muss sie dringend eine neue Bleibe gefunden haben. Bei ihrer Wohnungssuche machte sie eine bemerkenswerte Entdeckung: Auf fast jedem Anmeldeformular stand, dass sie zwischen 50 und 200 Franken Strafe zahlen muss, wenn sie einen angebotenen Mietvertrag ablehnt. Das schockierte Petra R., denn für sie kann es bedeuten, viel Geld an die Liegenschaftsverwaltungen zahlen zu müssen. Sie befürchtet, von mehreren Anbietern eine Zusage zu erhalten. Wenn sie dann einige Zusagen ablehnen muss, zahle sie sich dumm und dämlich. Genau aus diesem Grund hat sie sich bei einigen Wohnungen erst gar nicht beworben. Es kommt ihr so vor, als behandeln Verwaltungen Mieter nicht mehr als Kunden, sondern als Untergebene. So als würden Vermieter ihre Marktmacht dreist ausnutzen. Doch ist das wirklich so?

Der Mieterverband ist entsetzt

Der Sprecher des Zürcher Mieterverbands Walter Angst nimmt in einem Interview mit 20min.ch dazu Stellung: «Das ist unzulässig. Ein Vertragsentwurf ist eine Offerte der Vermieterin, auf die Mietinteressenten nicht eintreten müssen».

Er betont, dass kein vernünftig denkender Unternehmer einem Kunden ein Angebot unterbreiten würde und dem Kunden bei Ablehnung des Angebots eine Rechnung für den Aufwand der Angebotserstellung zuschicken würde. Geschweige denn, dem Kunden sogar mit einer Rechnung bedrohen.

Weiter sagt Angst: «Wenn eine Verwaltung eine solche Rechnung stellt, ist das schlicht dreist. Mieter sind Kunden und keine Untergebenen der Wohnindustrie.» Er finde, dass bereits die Ankündigung einer solchen Rechnung eine Frechheit sei.

Doch es gibt für Wohnungssuchende auch eine gute Nachricht. «Anmeldeformulare mit einer solchen Zahlungsklausel kann man unbesorgt unterzeichnen. Das Geld muss in keinem Fall bezahlt werden», so Angst weiter. Bestätigt wurde das ganze bereits durch ein Bundesgerichtsurteil.

Umtriebskosten sind nicht unbekannt

Das Thema Umtriebskosten aufgrund von Formularen ist keineswegs unbekannt. Es ist auch nicht illegal. Doch auf dem grössten Teil der ausgestellten Formulare Hinweise zu finden, dass der Wohnungssuchende bei Ablehnung des Mietvertrages zahlen muss, sorgt bei Mietinteressenten für Empörung.

Laut 20min.ch führt beispielsweise die Bilfinger Real Estate AG eine solche Klausel in ihren Verträgen. Der CEO Hans Peter Egloff nimmt in einem Interview mit 20min.ch dazu Stellung: «Wenn sich ein Mietinteressent bei uns für eine Wohnung anmeldet und dieser für uns als Mieter in Frage kommt, rufen wir ihn zuerst an und fragen ihn, ob er die Wohnung definitiv mieten möchte.» Wenn der Bewerber am Telefon mündlich zusagt, wird der Mietvertrag erstellt. Mit anderen Worten: Das Unternehmen verschickt nicht einfach eine Rechnung. Es hält zuvor Rücksprache mit dem Bewerber. Egloff drückt das folgendermassen aus: «Entscheidet sich der Mieter nach diesem Vorgang für eine andere Wohnung eines anderen Anbieters, dann und nur dann verrechnen wir dem Interessenten eine Umtriebsentschädigung.» Damit Mietinteressenten hier keine böse Überraschung erleben, wird diese Tatsache bereits im Anmeldeformular angeführt.

Die Matter Immobilien AG geht ähnlich vor. Eine Mitarbeiterin sagte gegenüber 20min.ch: «Wir stellen keinesfalls eine Rechnung, ohne vorher mit dem Mietinteressenten Absprache gehalten zu haben.» Da die Formulierung auf der Bewerbung einige Bewerber in der Vergangenheit abschreckte, überlegt das Unternehmen nun, eine neue Formulierung zu erarbeiten.

Es gibt sehr viele Liegenschaftsverwaltungen, die dieses Abrechnungsmodell anwenden. Einige Bewerber fühlen sich deshalb verärgert. Doch es gibt auch Verwaltungen, die diese Vorgehensweise ablehnen und selber nicht anwenden. So zum Beispiel die Privera AG. Laut 20min.ch verzichtet die Privera AG ganz bewusst auf ein solches Verrechnungsmodell. Dafür gibt es auch einen Grund: Nur sehr wenige Mietinteressenten lehnen den ihnen angebotenen Mietvertrag ab.

Gelesen 1655 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 22 Februar 2017 06:50
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